Kitzrettung aus der Luft

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3OctocopterDollen Norman StollSeit längerem beschäftigt die Jägerschaft schon das Thema Flugroboter als Hilfsmittel zum absuchen von Wiesenflächen vor der Mahd. Im Mai, manchmal auch schon Ende April, wird der Nachwuchs beim Rehwild geboren. Die Jäger sagen dazu, die Kitze werden gesetzt. Der Begriff „gesetzt“ passt in dem Sinne sehr gut, da das Kitz an einer bestimmten Stelle mit guter Deckung im Feld von der Ricke(Muttertier) abgelegt wird. An diesem Ort verharrt das Kitz solange bis es die Ricke abholt. Das Verhalten dient dazu sich vor sämtlichen Beutegreifern zu verstecken. Das Kitz drückt sich bei Gefahr also und würde nicht vor der Erntemaschine flüchten. Was dann passiert kann sich jeder vorstellen, das Mähwerk kommt mit ca. 10km/h angefahren. Die Kitze haben keine Chance! 3Octocopter Norman StollGenau diese Bilder haben wir Jäger im Kopf und versuchen jedes Frühjahr alles Erdenkliche um dieses Leid zu verhindern. Wir stellen Scheuchen auf, wir versuchen mit Lärm die Kitze zu vertreiben, wir suchen mit Hunden und viel Personal die Felder ab, aber dies ist sehr zeitaufwendig und wir bekommen auch nicht immer rechtzeitig bescheid. Darum ist Christopher von Dollen, Leiter des Hegelehrreviers des Landesjagdverbandes SH, schon seit über einem Jahr dabei technische Lösungen zu prüfen. Es gab schon mehrere Versuche und Probeflüge, danach flossen die Verbesserungsvorschläge in die Entwicklung ein. „Jetzt sind wir an einem Punkt, wo wir die Testphase bei der anstehenden Wiesenmahd einläuten können.“ Mit einem Octocopter der Firma Height Tech der mit einer Wärmebildkamera ausgerüstet ist, werden die Felder systematisch abgeflogen. Jede Ortung wird über einen Server auf eine entsprechende App auf das Smartphone gesendet, nun kann das Rettungsteam losgeschickt werden um das Kitz außer Gefahr zu bringen. Mit einem Hochleistungsakku ist eine Flugzeit von 12 Minuten möglich, dies klingt erstmal nicht viel, aber das Gerät kann in dieser Zeit eine sehr große Fläche abfliegen und abscannen. Jan Paustian von Kreisjägerschaft Plön ist gerade dabei einen entsprechenden Förderverein für das Projekt zu gründen „Unser Antrieb sind die unschönen Erlebnisse, wenn wir trotz unseres Einsatzes nicht alle Kitze retten können. Wenn sie einmal ein Kitz gesehen haben, dass von einem Mähwerk erfasst wurde und vielleicht noch schwerverletzt am Leben ist, da haben sie Tränen in den Augen. Wir Jäger sind aktive Tierschützer, dass wird oft vergessen.“ Da der Octocopter mit ca. 12.000 Euro sicherlich nicht für jeden Revierinhaber erschwinglich ist, werden nun gemeinsame Anschaffungen bzw. Leih- und Leasingmodelle geprüft. Am vergangenen Freitag wurde nun zu einer großen Vorführung unter der Leitung von C. von Dollen in Osdorf eingeladen, die Firma Height Tech stellte ihren Inspector S als „Bambiretter“ kurz vor und lud dann zur Feldvorführung ein. 3OctocopterOstseeDas Gerät beeindruckte mit seiner Schnelligkeit und sehr scharfen Bildern per Wärmebild. „Das stimmt uns sehr positiv für die Testphase, wir hoffen auf gute Ergebnisse im Namen unseres Wildes“ sagte C.von Dollen abschließend.

Norman Stoll