Eine jagdliche Jahresarbeit an der Freien Waldorfschule zu Kiel (FWS-Ki)

Drucken

Zeitungs-Bild 1 - Arved an seinem PräsentationstischSeid mal ehrlich, welcher junge Mensch möchte nicht mal aller Welt zeigen, was er kann und was er gelernt hat?
Nun, in der zwölften Klasse der FWS-Ki hatten die Schüler im Rahmen ihrer Jahresarbeiten Gelegenheit dazu!
Zur Erklärung gleich vorab: Die Jahresarbeit (auch Zwölftklassarbeit genannt) ist an den meisten Waldorfschulen fester Bestandteil im Laufe der Schulzeit. Der Sinn einer Jahresarbeit besteht u.a. darin, dass sich der Schüler ein Jahr lang intensiv mit einem Thema sowohl praktisch und/ oder künstlerisch, als auch theoretisch auseinander setzt.
Und hier kommt nun unser Jungjäger und Försterssohn Arved Manleitner aus Felde ins Spiel, über den ich kurz zu berichten beabsichtige.
Bereits in Spätsommer 2012 war ihm schon klar, dass sein Thema für die Zwölftklassarbeit einen jagdlichen Hintergrund haben sollte. Da sein Vater „in-seinem-ersten-Leben“ Berufsjäger und Dipl.-Ing. für den Bereich Forst war, musste Arved auch nicht lange nach einem geeigneten Mentor für seine Arbeit suchen. Zahlreiche Ansitze, Ratschläge und Lektionen, sowie vielfältige Mitarbeiten im Jagdrevier folgten bei ihren Zusammentreffen nun erst recht.
Mit seinem großen Bruder besuchte Arved schließlich den Jagdscheinausbildungskursus der Kreisjägerschaft in Kiel und konnte dann im Mai 2013 die Jägerprüfung gemäß „Landesverordnung über die Prüfung zur Erlangung des ersten Jagdscheines“ bestehen.
Viele seiner Klassenkameraden hatten sich um diese Zeit sicherlich noch nicht einmal Gedanken über das Thema ihrer Jahresarbeit gemacht.
Für den Jungjäger Arved begann von nun an die Sammlung der jagdlichen Leitgedanken für den schriftlichen Teil seiner Arbeit. Sie trägt die Überschrift: „Ausbildung zur Erlangung des ersten Jagdscheines und jagdliche Arbeiten in der Praxis“.
Ein kurzer Blick in das Inhaltsverzeichnis seiner beinahe 70 seitigen Ausarbeitung zeigt uns mehrere Erlebnis-Berichte von Ansitzabenden und auch von Drückjagden, über die er als Treiber von seinen Erfahrungen erzählt. Aber auch eher jagdlich-theoretische Fragestellungen finden wir hier. So setzt er sich mit der Darlegung von „was ist Jagd eigentlich?“ auseinander, aber informiert den neugierigen Leser auch über unterschiedliche Jagdarten, Wildarten, Jagdhunderassen und deren Ausbildung und Haltung, Waffensysteme und deren Pflege, die Besonderheiten unserer Jägersprache, die Jagdmusik mit den verschiedenen Jagdhörnern, die Leitgedanken der Waidgerechtigkeit bis hin zu einem „Reviergang“ durch sein persönliches Wild-Kochbuch. Die Rezepte, die er hier vorstellt, hat er alle selber ausprobiert. Dafür kamen ihm auch seine abgeleisteten Praktika in verschiedenen Hotel- und Restaurant-Küchen erneut sehr gelegen.
Um seinen jagdlich nicht vorbelasteten Mitschülern auch einen geschichtlichen Hintergrund aufzuzeigen, berichtet er außerdem noch über die Hubertus-Legende, die er dafür ein bisserl überarbeitet hat.
Die Vorstellung der Jahresarbeiten fand schließlich am 1. und 2. Februar im Hauptgebäude der Schule in Kiel vor einem öffentlichen Publikum statt und beinhalteten neben einem etwa zwanzigminütigen Vortrag oder Präsentation auch einen entsprechend gestalteten Tisch oder Stand zum jeweiligen Thema.
Seinen Präsentationsbereich hatte der Jungjäger Arved Manleitner mit einigen Präparaten dekoriert. Ja, selbst ein ehemaliger Weihnachtsbaum musste nochmal ´ran. Halbseitig aufgeastet und mit dem Rücken an der Wand wurde er zum Träger für einige ausgestopfte Vogel-Präparate. Und aus den unteren Zweigen schaute außerdem noch neugierig ein kapitaler Dachsrüde hervor.
Ein eindrucksvolles Damhirsch-Geweih und ein kapitales Rehbock-Gehörn zierten die Rückwand. Und neben einem Fuchschädel zum Vergleich mit einem Dachsschädel, lag auch unterschiedliches Info-Material zum Mitnehmen für Interessierte auf seinem Präsentations-Tisch. Besonders unter seinen hoch interessierten Altersgenossen, waren dann doch so einige, die sich auch selber vorstellen konnten, eventuell Jungjäger zu werden.
Arved hatte schließlich seinen souverän gehaltenen Vortrag zudem mit einer Power-Point-Präsentation hinterlegt. Besonders einen Punkt beleuchtete er dabei als „leidenschaftlicher Fleischesser“ besonders überlegt. Denn durch seine Gegenüberstellung des in Freiheit, Autarkie und in der Natur gewachsenen Wildbrets mit dem Fleisch aus zum Teil quälerischer Massentierhaltung faszinierte er seine gut 150 Zuhörer.
Tosender Applaus beendete seine Präsentation zuletzt und belohnte damit auch sein außergewöhnliches Engagement für seine jagdliche Zwölftklass-Jahresarbeit.
Wir wünschen ihm ein langes und interessantes Jägerleben mit stets viel Anlauf, Anblick und herzlich Waidmannsheil!

Thorolf Wellmer