In Schleswig-Holstein hat die Zeit des Seehund-Nachwuchses begonnen. Die Hauptgeburtszeit reicht von Anfang Juni bis Mitte Juli. Der Landesjagdverband Schleswig-Holstein e. V. (LJV) ruft Erholungssuchende und Strandgäste in dieser Phase zu besonderer Rücksicht auf. Denn Störungen an den Wurfplätzen können dazu führen, dass Jungtiere von ihren Müttern getrennt werden und als sogenannte Heuler auf menschliche Hilfe angewiesen sind.
Als Heuler werden junge Seehunde bezeichnet, die in den ersten Lebenstagen bis zu einem Alter von vier bis sechs Wochen über längere Zeit von ihrer Mutter getrennt sind. Solche Situationen können natürliche Ursachen haben, etwa Sturm, Krankheit oder den Verlust des Muttertiers. Auch Störungen durch Menschen an Ruhe- und Wurfplätzen kommen als Ursache infrage. Abstand ist deshalb der beste Schutz für junge Seehunde. Nur wenn Menschen sich zurückhalten, kann das Muttertier ungestört zu seinem Jungen zurückkehren.
Nicht jedes allein liegende Jungtier ist jedoch hilfsbedürftig. Ob tatsächlich Handlungsbedarf besteht, können nur erfahrene Fachleute beurteilen, wie die zuständigen Seehundjägerinnen und Seehundjäger. Der LJV rät aus diesen Gründen dazu, Tiere nicht zu berühren und keinesfalls mitzunehmen. Menschlicher Kontakt kann dazu führen, dass die Mutter ihr Junges nicht wieder annimmt. Zudem können Robben beißen und Krankheiten übertragen.
Am Strand gilt deshalb: Abstand halten, möglichst 300 Meter, Ruhe bewahren, den Weg zum Wasser freihalten und Hunde konsequent anleinen. Das Jungtier sollte in jedem Fall am Fundort bleiben. Gut gemeinte Rettungsversuche helfen meist nicht und können die Lage verschärfen.
Wer einen Heuler oder eine andere hilfsbedürftige Robbe entdeckt, sollte den Fundort möglichst genau melden. In Schleswig-Holstein kann dafür die „Robben.App“ genutzt werden. So gelangen die wichtigsten Angaben direkt an die zuständigen Fachleute. Rücksicht am Strand ist jetzt entscheidend, damit Seehunde und ihre Jungtiere nicht unnötig getrennt werden.