Kurz vor Ostern liegen die Ergebnisse der diesjährigen Feldhasenzählung in Schleswig-Holstein vor und das mit erfreulichen Nachrichten: Der Hasenbesatz bleibt stabil und bewegt sich sogar deutlich über dem langjährigen Mittel. Die Jägerinnen und Jäger des Landesjagdverbandes Schleswig-Holstein haben im Rahmen des Wildtiermonitorings wieder zahlreiche Stunden in der Natur verbracht, um exakte Daten zum Zustand der Feldhasenpopulation zu erfassen.

Es ist ein hoher Wert: 23 Feldhasen pro Quadratkilometer leben auf Schleswig-Holsteins Feldern und Wiesen. Im Vergleich: bundesweit sind es 19 Feldhasen. Das ist das Ergebnis von Zählungen im Frühjahr 2025 in den Referenzgebieten. Im Vergleich zur Zählung vor drei Jahrzehnten zu Beginn des Felhasenmonitorings in Schleswig-Holstein im Jahr 1995 liegt der Wert um 40 % höher.  Grundlage sind Daten des Wildtier-Katasters Schleswig-Holstein, die Wissenschaftler ausgewertet haben. Besonders das Östliche Hügelland in den Kreisen Plön und Ostholstein zeigt eine deutlich positive Entwicklung und zeigt mit im Mittel (Median) 33,2 Hasen je km² untersuchte Fläche die höchsten Werte seit Beginn der Aufzeichungen.

Leichter Zuwachs im Jahresverlauf

Ein Gradmesser für die Entwicklung der Hasenbesätze ist die sogenannte Nettozuwachsrate. Wissenschaftler vergleichen hierfür die Werte von Frühjahrs- und Herbstzählungen eines Jahres. Im Jahr 2025 zeigt der bundesweite Wert eine leichte Zunahme von 7 Prozent, ähnlich wie im Vorjahr. In Schleswig-Holstein sogar bei 10 Prozent. In der Marsch wurden vermutlich wegen der Myxomatose, die dort am stärksten dokumentiert wurde, im Herbst ca. 20% weniger Hasen erfasst als im Frühjahr 2025. Derzeit sind die Referenzreviere des WTK wieder aktiv beim Erfassen in den Revieren, um Zahlen für das Frühjahr 2026 zu erfassen.

Neuartige Krankheit befällt Feldhasen

Im Jahr 2023 ist in Deutschland erstmals die Myxomatose bei Feldhasen aufgetreten, zunächst in Nordrhein-Westfalen. Im vergangenen Jahr wurde das Virus auch in Bayern, Niedersachsen und Schleswig-Holstein nachgewiesen. Der Einfluss der Krankheit auf die Feldhasenbesätze ist noch nicht abzuschätzen. Die vorläufigen Ergebnisse der Feldhasenzählung zeigen aktuell bundesweit keine negative Auswirkung auf den Besatz. Wissenschaftliche Untersuchungen aus Nordrhein-Westfalen ergeben, dass sich schwer betroffene Besätze noch nicht erholt haben. In weniger betroffenen Regionen ist der Hasenbesatz hingegen stabil. Myxomatose ist für erkrankte Feldhasen aber auch das Wildkaninchen zumeist tödlich.

Mehr Anreize für besseren Lebensraum gefordert

Positiv für den Feldhasen war laut Deutschem Wetterdienst der trockene und milde Winter 2024/25. Auf ihn folgte eines der trockensten Frühjahre seit Messbeginn – besonders im Nordosten. Davon hat das ursprüngliche Steppentier profitiert. Der Feldhase ist zudem angewiesen auf strukturreiches Offenland mit Brachen und Blühstreifen – ebenso wie Feldlerche oder zahlreiche Insektenarten. Im Vergleich zu den 1970er Jahren hat der Feldhase deutlich weniger optimalen Lebensraum zur Verfügung. Der DJV fordert Anreize aus der Politik, die unbürokratisch, naturschutzfachlich hochwertig und wirtschaftlich interessant für Landwirte sind. Der DJV empfiehlt eine Mindestbreite für Blühflächen von 20 Metern. Verteilt sollten sie möglichst gleichmäßig sein, Waldränder sind weniger gut geeignet.

Jagd auf Raubsäuger wie Fuchs ist wichtig

Schöner wohnen allein reicht nicht: Deshalb ist die Jagd eine wichtige Stellschraube für Leitarten wie Feldhase, Feldhamster und Rebhuhn. Das Leuchtturmprojekt Wilde Feldflur im Erfurter Becken zeigt: Lebensraum verbessernde Maßnahmen in Kombination mit der Bejagung räuberischer Arten wie Fuchs und Waschbär wirken positiv. Innerhalb von nur drei Jahren konnte die Zahl der Feldhasen im Projektgebiet bis zum Frühjahr 2025 verdoppelt werden, der Besatz an Rebhühnern ist gleichzeitig um die Hälfte angestiegen. Das länderübergreifende Projekt Wilde Feldflur findet in Sachsen-Anhalt und Thüringen statt.

Vorschläge für sinnvolle Öko-Regelungen im Überblick

Qualität

  • Überjährigkeit: Blühfläche bleibt über den Winter stehen – Deckung und Brutplätze für Bodenbrüter sowie Überwinterungsmöglichkeiten für Insekten
  • geeignete Bewirtschaftung: Fläche im Spätsommer des Vorjahres anlegen, keine Bearbeitung während der Brut- und Setzzeit
  • Vegetation: heterogene Struktur durch artenreiche Zusammensetzung (Selbstbegrünung oder Aussaat)
  • Größe: Mindestbreite 20 Meter für reduziertes Prädationsrisiko. Ab 40 Meter Breite kein Qualitätszuwachs mehr für viele Feldvogelarten.

Lage

  • positiv: Blühflächen und Brachen umgeben von landwirtschaftlich genutzten Flächen – zumindest an den Längsseiten
  • positiv: gleichmäßige Verteilung im Raum für funktionalen Biotopverbund
  • ungünstig: Randstrukturen wie Waldränder oder hohe Gehölze – schlechtes Mikroklima für Insekten und hoher Prädationsdruck durch Beutegreifer (Wertgebende Feldvogelarten wie Rebhuhn, Feldlerche und Kiebitz sind Kulissenflüchter)
  • ungünstig: störungsreiche Wege – hoher Druck durch Freizeitnutzung ergibt permanente Störung, Stress und schließlich Meidungsverhalten durch wertgebende Feldvogelarten oder Feldhasen.

Wie werden Feldhasen gezählt?

Jägerinnen und Jäger zählen Feldhasen nachts auf genau festgelegten Strecken mit genormten Scheinwerfern. Die Augen der Hasen reflektieren das Licht arttypisch, eine Unterscheidung von anderen nachtaktiven Tieren wie dem Fuchs ist leicht möglich. Wissenschaftler werten die Daten anschließend aus. Gezählt wird nach Möglichkeit mindestens zweimal im Frühjahr und im Herbst. Die rund 400 Referenzgebiete sind nach Großlandschaften unterteilt, die sich jeweils in Faktoren wie Geologie, Boden, Klima und Vegetation unterscheiden.

Wildtiermonitoring in Schleswig-Holstein: