Jagd vorbei und Halali, lieber Wilhelm

Die Bläser der Kreisjägerschaft Rendsburg-West halten Inne, und Sekunden werden zu Stunden. Wir trauern um Wilhelm Köhnke, dem wir vieles zu verdanken haben.

Im stolzen Alter von 98 Jahren war es ihm vergönnt, nach einem ereignisreichen Leben, am 25.08.2020 friedlich einzuschlafen.

Wilhelm Köhnke, geboren in Itzehoe, entdeckte schon in früher Kindheit die Liebe zur Musik. Es war zur damaligen Zeit die Marschmusik, die ihn in der Jugend bei Schritt und Tritt begleitete. Nach seiner Schlosserlehre ging er aber nicht ins Leben hinaus, sondern musste in den Krieg ziehen.

Als Fallschirmjäger war er unter anderem in Russland, Frankreich und auf der Insel Kreta in den Einsatz. Er überlebte und kam in Kriegsgefangenschaft nach Österreich. Dort wartete er nicht das Ende dieser Zeit ab, sondern flüchtete zu Fuß nach Itzehoe, zu seiner Familie.

Bei einem Tanz im „Krug zum grünen Kranze“ in Münsterdorf lernte er seine Frau Wiltraud kennen – und wer hätte damals Gedacht, dass so eine besondere Beziehung entstehen würde. Wiltraud hatte Handweberin bei der Weberei Hablik-Lindemann gelernt und war dort beschäftigt. Nach der Hochzeit wurden Familie und Kinder zu ihrer Hauptaufgabe.

Wilhelm Köhnke

Mit der Firma I.A. Schnell, bei der Wilhelm Köhnke als Kraftfahrer tätig war, kam die junge Familie nach Hohenwestedt. 1960 übernahm er dann die Stelle des Hausmeisters in der Landwirtschaftsschule in Hohenwestedt. Hier begannen dann die ersten Kontakte zur Landwirtschaft und zu den Waidmännern. Schnell ergab es sich, dass er die ersten Jagdhornklänge vernahm. Mit anderen Interessierten ging er zum Förster Könnecke, der 1958 eine kleine Bläsergruppe gegründet hatte und diese unterrichtete.

Wilhelm war ein Naturtalent und erlernte mit Hilfe seines musikalischen Gehörs, die vielen Signale und reihte sich in das Bläserkorps ein. Das Anhören von Schallplatten war dann hilfreich, um auch Märsche und Fanfaren zu erlernen. Musiziert wurde zu jeder freien Zeit in der Familie. Aber auch der bildenden Kunst war er zugetan. Mit Pinsel, Aquarell und Öl verwandelte er so manche Leinwand in wunderschöne Landschaften und lebendige Gemälde mit Wildtieren. So befinden sich an manchen Orten fantastische Gemälde, z.B. in Itzehoe im Café Schwarz oder im Gemeindehaus in Remmels.

Durch seinen musikalischen Einsatz und dem geschickten Händchen für Jugendliche begann sein Werdegang in der Kreisjägerschaft Rendsburg-West. Nach dem Ableben des Förster Könneke übernahm er den Posten des Korpsleiters und Ausbilder im Hegering Hohenwestedt. Es folgte eine intensive Bläser- und Pionierarbeit. Mit dem Erlernen von Noten vergrößert sich das Repertoire, so dass Märsche und Fanfaren mit Pless-, Ventil- und Parforcehörner vorgetragen werden konnten.

Mit der Kreisbläsergruppe, die von Heinrich Ruge aus Hademarschen ausgebildet wurde, trat er erstmals Ende der 1960er Jahre zu Landeswettbewerben in Schleswig-Holstein an. So holten sie mit ihm als Korpsführer 1969 in Leck und 1970 in Westerland den Landesmeistertitel. In den folgenden Jahren baute er in Hohenwestedt eine Jugendgruppe auf. Ab 1971 führte er dann das Bläserkorps in Hohenwestedt und auch die Nachwuchsgruppe zu Landeswettbewerben. 1981 wurde dann seine Hohenwestedter Bläser Landesmeister auf dem Boxberg in Aukrug. Auch an Bundeswettbewerben wurde nun vielfach erfolgreich teilgenommen, er selbst war bis 2007 aktiver Teilnehmer. Als Kreisbläserobmann war er von 1973 – 1993 für die Kreisjägerschaft Rendsburg-West tätig. Im Januar 1983 wurde ihm für die aufopferungsvolle und ehrenamtliche Arbeit im Bläserwesen die Bundesverdienstorden und vom Deutschen Jagdverband die Verdienstmedaille in Silber verliehen.

1985 ging Wilhelm Köhnke in den Ruhestand und zog mit seiner Frau wieder nach Itzehoe. Er war mehr als 40 Jahre im Jagdhorn-Bläserkorps Hohenwestedt aktiv. Bei fast allen wichtigen Ereignissen wurde das Bläserkorps – nun unter der Leitung seiner Tochter Brigitte – von dem Ehepaar begleitet. In der ersten Reihe sitzend, verfolgten die beiden die Vorträge und man hörte ihn jede einzelne Note summen. Auch dirigierte Wilhelm Köhnke oft das eine oder andere Stück. So flog die Zeit dahin und die Bläser gaben dem Paar zur Diamanten-, Eisernen- und zur Gnadenhochzeit, sowie zu den Geburtstagen, ein Ständchen.

Das Paar ging gemeinsam durch ein ereignisreiches Leben. Durch und durch ein Leben für die Musik und von ihr getragen.

Wir verneigen uns vor einer geschätzten und großen Persönlichkeit und nehmen Abschied von einem ganz besonderen Menschen. Die Spuren von Wilhelm Köhnke werden noch lange Zeit in unseren Gedanken und Gespräche sein.

Unsere tiefe Trauer und unser ganzes Mitgefühl gelten seine Frau Wiltraud, seinen Kindern und Enkelkindern, insbesondere seiner Tochter Brigitte, die sein Erbe als Korpsleiterin weiterführt.

Der Vorstand der Kreisjägerschaft Rendsburg-West

Die Landesobfrau für das Jagdhornblasen im LJV SH e.V.