
Durch beherztes Eingreifen konnte Jäger Jan Haberkamm die Wildkatze befreien (Bild Jan Haberkamm)
In Schleswig-Holstein ist erstmals seit Jahrhunderten das Vorkommen einer Europäischen Wildkatze (Felis sylvestris) eindeutig bestätigt worden. Der genetische Nachweis bedeutet die offizielle Rückkehr der streng geschützten Art in das nördlichste Bundesland. Eine zentrale Rolle spielte dabei der Jäger Jan Haberkamm. Er stieß im Kreis Herzogtum Lauenburg auf ein Wildtier, das sich in einem Wildzaun hoffnungslos verfangen hatte. Durch sein rasches Eingreifen konnte er die Katze unbeschadet befreien.
Am Zaun gesicherte Haarreste wurden anschließend zur Untersuchung weitergegeben. Die Analyse übernahm das Landesamt für Umwelt, das die Proben an das Senckenberg-Institut weiterleitete. Dort bestätigte die genetische Untersuchung eindeutig, dass es sich um eine Europäische Wildkatze handelt. Bereits zuvor war in derselben Region ein Tier per Wildkamera dokumentiert worden. Der Einsatz unterstreicht erneut die Bedeutung der Jägerschaft für den praktischen Naturschutz: Als dauerhaft in der Fläche präsente Akteure erkennen Jägerinnen und Jäger Notsituationen von Wildtieren oft zuerst und handeln unmittelbar.
Die Europäische Wildkatze galt in Schleswig-Holstein als ausgestorben – hauptsächlich durch die massive Zerstörung ihres bevorzugten Lebensraums, der Wälder, im Mittelalter. In den vergangenen Jahrzehnten konnte sich die Art jedoch wieder schrittweise nach Norden ausbreiten. Die Lüneburger Heide wurde zuletzt als nördlichstes Verbreitungsgebiet bestätigt. Die Wildkatze steht europaweit unter strengem Schutz und unterliegt auch dem Schutz des Jagdrechts.
Europäische Wildkatzen lassen sich von wildfarbenen Hauskatzen durch ihren buschigen, schwarz geringelten Schwanz und eine charakteristische Nackenzeichnung mit meist vier dunklen Streifen unterscheiden. Ob das nun gesichtete Tier dauerhaft in Schleswig-Holstein bleibt oder lediglich auf Wanderschaft ist, bleibt abzuwarten.